Sa Taronja-Gründer Hartmut Usadel

Künstler aus Deutschland und einer frühen Residenten im Südwesten Mallorca


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Die Geschichte von Sa Taronja ist untrennbar verbunden mit der Geschichte des Ortes, an dem der Kulturverein bis heute sein Zuhause hat: das 6000 m2 grosse Gelände der ehemaligen Hühnerfarm am Ende der Calle Andalucía in Andratx.

Den Verein Sa Taronja würde es nicht geben, wäre nicht der deutsche Maler Hartmut Usadel aus dem Nachbardörfchen S'Arracó im Jahre 1997 zufällig über das “zu verkaufen” - Schild gestolpert, das zu jener Zeit an dem Grundstück prangte.

Das halbverlassene Anwesen hatte seine Glanzzeiten als Produktionstätte von Eiern und Hähnchenschenkeln für Andratx und Umgebung mit über 8000 Tieren längst hinter sich, als Hartmut die paar restlichen Hühner zwischen den Orangenbäumen in der trockenen Erde picken sah. Die Hühnerzucht wurde von Guiem Reus Bosch gegründet, der in den 60er Jahren von seinem Kuba-Aufenthalt zurückgekehrt war.

Um die Geschichte vollends zu verstehen, muß man wissen, daß das ländliche Mallorca in der ersten Hälfte der 20. Jahrhunderts von Armut und Arbeitslosigkeit geprägt war, und so verliessen viele Menschen die Insel auf der Suche nach Jobs im Ausland. Viele junge Leute aus der Gegend um Andratx hatten sich in jenen Tagen auf den Weg nach Kuba gemacht.

Unter ihnen war auch Guiem Reus Bonet mit seinen drei Söhnen Sebastian, Mateo und Guiem Reus Bosch. Der Vater, wie viele andere Andritxols, verdingte sich als Schwammtaucher auf der karibischen Insel.

Mit vierzehn waren die Söhne alt genug, um dem Vater zu folgen und sich selbst nach Arbeit umzuschauen. Guiem junior, geboren 1906, fand eine Anstellung in der Casa Arechavala, einer grossen Rumdestille in Havanna, und ging dort seinen Weg. Er blieb, bis Castro an die Macht kam und kehrte in den 60er Jahren zurück nach Andratx. Guiem war bereits einmal nach Europa zurückgekehrt, um für seine Eltern unter Einsatz seiner Ersparnisse das alte Steinhaus, genannt "S'Hort de Baget", zu erwerben. Das war im Jahre 1935. Das Gebäude stand damals allein, umgeben von Feldern, irgendwo am Rand des Dorfes. Der Vater nutzte Haus und Garten zunächst zur Selbstversorgung.

Nachdem Guiem junior endgültig nach Europa zurückgekehrt war, erwarb er auch die umliegenden Ländereien und beschloss, sein Vermögen in eine Hühnerzucht zu investieren. Damals errichtete er die drei industriellen Hallen, die heute noch stehen und schaffte 8000 Hühner an. Es wurde daraus ein gutes Geschäft, das bis zu seinem Ruhestand in den 80er Jahren florieren sollte.

In der Zwischenzeit war das Stadtgebiet von Andratx expandiert. Die Calle Andalucía entstand als Verbindung zwischen Ortskern und dem alten Bauernhaus. Lücken schlossen sich und neue Nachbarn siedelten sich an.

Jedoch auch an Guiem Reus war die Zeit nicht spurlos vorübergegangen, er war inzwischen gebrechlich geworden und musste seine letzten Jahre in einem Altenheim in der Nähe von Palma verbringen.

Ein Verwalter kümmerte sich um das Anwesen in Andratx und hielt weiterhin Federvieh, das inzwischen frei zwischen den Ställen umherlief, anders als die bedauernswerten Vorgängerinnen in den Legebatterien und Käfigen. Die Familie beschloss, den Besitz zum Verkauf anzubieten.

 

Das war der Zeitpunkt, als Hartmut Usadel auf dem Plan erschien…

Ein Mann mit visionärem Blick und ausgestattet mit genug Energie, um seine Träume zu verwirklichen, fehlten ihm jedoch die finanziellen Mittel, um das allein zu tun. So tat sich Hartmut nach Partnern um, die helfen sollten, seinen Plan in die Tat umzusetzen: das Anwesen sollte gekauft und in ein Kulturzentrum verwandelt werden.

Ein paar Jahre zuvor hatte er schon versucht, das verlassene Schloss auf dem Andratxer Berg, Son Mas, zu erwerben; seine Vision war, dort ein internationales Kunstzentrum samt Schule einzurichten. Die Stadt Andratx hatte dann jedoch andere Pläne: Son Mas wurde restauriert und Rathaus und Verwaltung zogen dort ein. So also konnte das heruntergekommene Gelände mit den Hallen aus den 60er Jahren und dem 300 Jahre alten Steinhaus Besitz von der Vorstellungskraft des Künstlers und Handwerkers Hartmut Usadel ergreifen.

Hartmut träumte schnell von einer Kunstgalerie mit angeschlossenem Kulturzentrum als Treffpunkt für Mallorquiner und Ausländer, zusammengehalten von der gemeinsamen Liebe für Kunst und Musik. Sein Traum war so konkret, daß er es fertigbrachte, seinen Künstlerfreund Jorge Bascones davon zu begeistern, der wiederum gleich seine Brüder mit ins Boot holte. Kurz darauf war der Deal perfekt.

Während sich die Gebrüder Bascones Gedanken zur weiteren Entwicklung des Geländes machten, krempelte Hartmut die Ärmel hoch und ging an die Arbeit.

Durch seine fleissige Hand wurde aus den einst verlassenen Hallen das Theater, die Galerie und die Studios, unterbrochen von wunderbaren Gartenanlagen. Er war es auch, der den Non-Profit-Verein Sa Taronja gründete. Bald spendete der eine Freund ein paar Rosenstöcke, ein anderer wiederum stellte Mobiliar und Material zur technischen Grundaustattung zur Verfügung.

Hartmuts grüner Daumen wirkte Wunder, während das Auge des Künstlers nach Einzigartigem Ausschau hielt. So wurde vieles von tatkräftiger Hand in wundervolle Nischen verwandelte. Es entstand z. B. der Patio des alten Haupthauses, heute das Herzstück des Restaurants Limón y Chelo.

Das Ausmaß an peinigender Arbeit und die Knappheit der Mittel, zusammen mit dem Desinteresse der lokalen Behörden entmutigten Hartmut Usadel allerdings zunehmend. Auch seine Partner hatte inzwischen der Mut verlassen, da sie nicht die nötigen Lizenzen für die Umsetzung ihrer Ideen erhalten hatten und so stiegen sie aus.

Es sah so aus, als sei der Traum geplatzt, bis Hertmut eine andere Freundin, Tina Horne, davon überzeugen konnte, in das Projekt einzusteigen.

Hartmut hatte immer eine unerschütterliche Vision gehabt: “Tanzen, malen, Theater spielen und singen sollen die Leute hier,” sagte er, “und zwar möglichst viele Spanier, nicht nur die Ausländer." Das war, was er wollte. Er träumte von einer Gruppe junger Leute, die das Projekt vorantreiben sollten. Schliesslich sollten sie es sein, die langfristig von der Initiative profitieren würden.

"Denn hier können auch unbekannte junge Maler, Musiker und Schauspieler eine Plattform bekommen, die sie sonst nicht so einfach finden," sagte er in einem Interview mit der MALLORCA ZEITUNG im Mai 2000.

Tina Horne stimmte zu. Aber es war leichter gesagt als getan, und sehr schnell sah auch sie sich einem Berg von Problemen gegenüber.

Die Behörden war nicht sehr hilfreich. Die Genehmigungsverfahren gingen, wenn überhaupt, sehr stockend voran. Es gibt auf Mallorca bis heute kein Förderungsprogramm für unabhängige Kulturzentren, und in einem Dorf wie Andratx ist es schwer, ein Publikum für kulturelle Veranstaltungen zu finden. Junge Leute kommen dann und wann, um zu helfen, wollen und können sich aber nicht Woche für Woche ohne jegliche Bezahlung engagieren.

Der tägliche Kampf erwies sich schnell als Sisyphosarbeit. Irgendwie jedoch ging es weiter und einige Dinge liefen stets voran. Trotz der chronischen Geldnot wuchs das Kulturzentrum weiter und kam imer wieder auf die Beine. Man erhielt schliesslich die langersehenten Lizenzen.

Der Verein fand Freunde und Unterstützer in allen gesellschaftlichen Schichten, schloss Frieden mit der unmittelbaren Nachbarschaft und entwickelte sich zu einer festen Grösse im kulturellen Leben der Insel Mallorca. Auch die Gemeinde Andratx sollte stets von Sa Taronjas öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen profitieren und das Rathaus arbeitet inzwischen häufiger mit dem Kulturverein zusammen.

Künstler und Musiker aus Mallorca und der ganzen Welt wissen Sa Taronjas eigentümliche Bühne zu schätzen und kommen immer wieder für Konzerte, Performances und Ausstellungen in die ehemaligen Hühnerställe. - Und sie wissen um das internationale und enthusiastische Publikum.

Der von Hartmut Usadel angelegte Garten gedeiht weiter, die Rosenstöcke blühen jedes Jahr aufs Neue, während das Haupthaus in Ehren altert (auch wenn es dringend ein neues Dach bräuchte).

Guiem Reus starb im Jahre 2004. Hartmut Usadel hat sich zur Ruhe gesetzt und seine eigene kleine Galerie in S'Arracó eröffnet, während Tina Horne immer noch das Unmögliche möglich zu machen versucht.

Einige der dringendsten Projekte für die Zukunft: ein wirklich schallisoliertes Musikstudio, in dem die jungen lokalen Bands proben können; die Einrichtungen für Kreativ-Workshops und die Künstlerstudios (Artists-in-Residence) sollen ausgebaut werden, die Erneuerung der Licht- und Bühnentechnik für Theater, die Eventhalle und Galerie sind ebenfalls auf der Liste.

Der Kampf um finanzielle Absicherung des Zentrums ist nicht vorbei, wir leben in harten Zeiten. Geld für die Kultur ist knapp oder schlicht nicht vorhanden. Die Kassen auf Mallorca sind leer und so muß der Kulturverein sich an seine Mitglieder wenden und private Sponsoren aus der Wirtschaft finden.

Wir glauben nach wie vor, dass das möglich ist. Was wäre das Leben ohne Kultur?

Unsere Welt wäre um einiges ärmer ohne Künstler, ohne Musik, ohne Inspiration. Wir befinden uns mitten in der Tretmühle der Wirtschaft, aber die Kunst kann uns daraus befreien!

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SA TARONJA - Die Geschichte